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Einstürzende Bauten – Ein Unglück kommt selten allein
 
NICHTS ist mehr sicher – soviel ist sicher! Das traurige, vermeidbare Schicksal des Kölner Stadtarchives lässt kaum eine andere Deutung zu.
 

„Sicher wie die Rente“ würde unser ehemaliger Arbeitsminister Norbert Blüm unbeirrbar erwidern, und Köln ist weit weg. Aber die „Kölner Krankheit“ lauert überall, auch in Bonn. Wir werden uns häufiger auf einstürzende Bauten, versagende Technik, Reklamationen und Rückrufe einstellen müssen - und auf Tote und Verletzte als Folge. Unserer ach so zivilisierten, entwickelten, technisierten Gesellschaft zum Trotz.

Warum? Weil der Primat der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zu Gier und Verantwortungslosigkeit verkommen ist. Öffentliche Stellen und private Firmen bilden häufig eine Verflechtung, einen Klüngel, der sich unaufhaltsam ausbreitet wie die Wüsten dieser Erde - und genauso gefährlich ist.

Das jetzt langsam zutage tretende „Making of“ des Einsturzes des Kölner Stadtarchives zeigt: Es hätte nicht passieren müssen! Wenn – ja, wenn alle Beteiligten ihrer jeweiligen Verantwortung gerecht geworden wären. Die Baufirmen hätten nicht so gierig und gewinnsüchtig sein dürfen, der Bauherr und Auftraggeber hätte den reichlich vorhandenden Hinweisen auf Mängel nachgehen müssen, die Bauaufsicht hätte erkannte Verfahrensmängel nicht durchgehen lassen dürfen, hätte, hätte, hätte...

Grobe Fahrlässigkeiten gingen dem jetzigen Katzenjammer voraus: Schon Ende 2002 habe es gravierende Verstöße gegen die notwendige Trennung von Bauüberwachung und Bauleitung gegeben. Dem Auftraggeber seien finanzielle Einsparungen vorrangiger gewesen als die Einhaltung gebotener und bewährter Verfahren zur Sicherung der Mängelfreiheit. Niemand wollte hinschauen, niemand wollte handeln, niemand wollte sich beim Sparen und Geldverdienen von ehrpusseligen Miesmachern stören lassen: „Der Ingenieur fand kein Gehör!“ – wie es die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) trefflich formulierte.

Dieses Sparen hat sich richtig gelohnt: Etwa 2 Millionen Euro, also nur rund 2 Promille der Gesamtkosten, wurden „gespart“ – und am Ende stehen zwei Tote und ein Schaden von mehr als einer Milliarde Euro. Ist das der von der Privatwirtschaft so hoch gepriesene „unternehmerische Erfolg“, für den die verantwortlichen Entscheidungsträger ihren Bonus verdient haben?

Leider ist längst erwiesen, dass auch hohe Strafen gegen grenzenlose Gier und menschenverachtende Verantwortungslosigkeit nicht ausreichen. Auch bei der Aufklärung der Ursachen zeigen sich etliche Beteiligte nicht gerade kooperativ und halten sich an das oberste Gebot der Mafia: Schweigen!

Was uns lehrt, dass die Probleme unserer Gesellschaft nicht mehr mit herkömmlichen Mitteln von Belohnung und Bestrafung zu lösen sind. Eine neue Kultur der Verantwortung muss her! Eine neue Gesellschaft, deren Triebfeder nicht mehr nur Macht- und Geldgier darstellt. Da ist es sicher passend, den Titel eines Buches zu zitieren, der alles umfaßt: „Abschied von der Macht“ von Frau Dr. Farah Dustdar.

Das Volk der Dichter und Denker muss wohl einen Neuanfang wagen. Nur durch eine werteorientierte Erziehung werden aus unseren Kindern nicht die kleinen und schließlich großen Monster, sondern verantwortungsbewusste Erwachsene. Erwachsene, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und sie im Dienst und zum Wohl der Allgemeinheit wahrnehmen. So kann der „Abschied von der Macht“ gelingen und der Weg frei werden zu einer Verantwortungs-Demokratie.

Bleibt das nur ein frommer Wunsch? Ich hoffe nicht!

KURT-RAINER DAUBACH
Redakteur EchoNET
 
07.03.2010
 
 
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