Jazz in Bonn? Gibt es das überhaupt? Jeder, der sich ein wenig mit Musik auskennt, weiß, dass der Jazz in New Orleans entstanden ist, und sich von da aus zunächst über die USA und dann über die ganze Welt ausgebreitet hat. New Orleans liegt am Mississippi. Bonn liegt weit weg. Zwar auch an einem großen Fluss, aber das ist der Rhein und nicht der Mississippi. Bonn ist außerdem die „Beethovenstadt“, zumindest nennt sich Bonn so. Was soll also der Jazz mit und in Bonn zu tun haben? Wer, außer einigen wenigen Jazzfans weiß das schon? Und gilt der Jazz nicht selbst heute noch aus der Sicht vieler „normalen“ Bonner Bürgerinnen und Bürger als eine „abartige“ Musikform, von der man sich besser fernhält?
Es gibt - das wissen alle Jazzfans - keine Musikform, die an den Jazz heranreicht in der Unmittelbarkeit und Ursprünglichkeit der musikalischen Mitteilung und der überwältigenden Vielfalt der Ausdrucksformen: vitale, überschäumende Lebensfreude, unbekümmerte Fröhlichkeit, tiefe melancholische Trauer. Alle erdenklichen menschlichen Gefühle sind im Jazz erlebbar, ausgedrückt in den vielfältigsten Formen meisterhafter musikalischer Virtuosität. Aber eben weil der Jazz eine reiche und vielfältige Musik ist, sind Zugang und Verständnis schwieriger als bei dem primitiven, oft nur dröhnenden Unterhaltungsgetöse, das heute aus zahlreichen Lautsprechern dringt. Und für die Kulturverwalter der Kommunen, der Länder und des Bundes ist der Jazz keine musikalische Form, die nennenswerte finanzielle Unterstützung verdient. Für Oper, klassische Konzerte und Schauspiele werden Millionen öffentlicher Mittel an Subventionen ausgegeben - für den Jazz keinen einzigen Cent.
Dies ist in Bonn kaum anders. Auch hier spielt der Jazz im Vergleich zu anderen Kunstformen die Rolle eines Stiefkindes. Es gibt keine nennenswerten Subventionen und auch keine nennenswerten Berichte in der Presse über Jazz-Konzerte und Jazz-Ereignisse. Deshalb soll hier versucht werden, dem Jazz wenigstens eine bescheidene Plattform zu schaffen; eine Stelle, an der Jazzfreunde und -interessierte Informationen über alle Aspekte des Jazz finden können.
In unregelmäßigen Abständen - geschrieben wird, wenn der Autor Zeit und Lust hat - sollen hier Artikel erscheinen über
die Anfänge des Jazz in New Orleans, seine weitere Entwicklung und weltweite Ausbreitung, mit Beschreibungen der Jazzstile, mit Musikbeispielen und Musikerporträts;
die Entwicklung des Jazz in Bonn seit etwa 1950 mit Darstellungen von Bonner Jazzbands und Jazzmusikern;
Hinweise auf aktuelle Jazzereignisse, Konzerte und Veranstaltungen in Bonn und näherer Umgebung;
Berichte über Jazzkonzerte in Bonn und Umgebung mit musikalischen Kostproben sowie Porträts der Bands und der Musiker;
Aber es soll kein Monolog werden. Leserinnen und Leser haben die Möglichkeit, ihre eigene Meinung und auch ihre Kritik zum Ausdruck zu bringen. Kommentare, auch kritische, sind herzlich willkommen.
Es wäre sicherlich vermessen zu hoffen, dass hier ein Forum für Bonner Jazzfreundinnen und Jazzfreunde entstehen wird - aber vielleicht finden sich doch einige Jazzfans zusammen.
Bild: Louis Armstrong
Musik: Louis Armstrong, St. Louis Blues (Lautsprechersymbol unten links anklicken)
HANS GILLES
Redakteur EchoNET
11.01.2010 |