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Bücher, die die Welt veränderten I
 
Karl Marx - Das Kapital
 
Karl Marx (1818-1883) schaffte es nicht, sein fundamentales, 2000 Seiten umfassendes Werk
"Das Kapital - Kritik der politischen Ökonomie"
zu Lebzeiten zu veröffentlichen. Erst nach seinem Tod vollendete sein einziger Vertrauter - Friedrich Engels - aus Stapeln von Notizen, die Marx hinterlassen hatte, diese bedeutende Schrift.
 
Ab 1849 lebte der bärtige Mann mit dem Wuschelkopf samt Frau und Kindern in London, wo er täglich zehn Stunden im Lesesaal des Britischen Museums verbrachte. Ein Jahr zuvor hatte er Preußen nach dem Erscheinen des - zusammen mit Friedrich Engels verfassten - Werkes "Das Kommunistische Manifest" fluchtartig verlassen müssen, da er dort als Unruhestifter und "persona non grata" angesehen wurde. Fortan lebte die Familie Marx in Not und Elend. Drei Kinder starben und Karl lebte von Almosen und gelegentlichen journalistischen Aufträgen. Dennoch arbeitete er wie besessen an seinem neuen Projekt, in dem er Begriffe wie "Geld", "Arbeit" und "Mehrwert" genau unter die Lupe nehmen wollte und dem er den Arbeitstitel "Das Kapital" gab.
 
Karl Marx hatte ursprünglich vorgesehen, den ersten der sechs Teile seines Werkes bereits 1858 zu veröffentlichen. Doch der Perfektionist suchte ständig nach neueren Statistiken und Untersuchungen, die seine Argumente untermauerten. Er brachte sich im Selbstunterricht sogar Russisch bei, um Berichte über die Agrarsituation im Zarenreich auswerten zu können. Somit schaffte Marx es bis zu seinem Tod im Jahr 1883 lediglich, den ersten Teil selbstständig zu veröffentlichen. Den großen Rest stellte schließlich Friedrich Engels aus Stapeln von Notizen aus dem Nachlass von Karl Marx fertig.
 
Heute gilt "Das Kapital" nach der Bibel als die weitverbreiteste Schrift der Welt. Es handelt sich hierbei um eine Analyse des industriellen Kapitalismus, ist aber viel mehr als eine theoretische Studie über eine Wirtschaftsform. Denn Karl Marx war auch Soziologe - übrigens einer der ersten überhaupt. Er wollte beweisen, dass die Produktionsverhältnisse in der Wirtschaft jeden Aspekt einer Gesellschaft beeinflussen. So würden im Kapitalismus nicht nur Waren produziert, die Arbeitskraft des Menschen werde selbst zur Ware - mit dem Endergebnis, dass die "Ware Mensch" in ihrer Selbstentfaltung erheblich reduziert wird. Die Wirkung der Ausbeutung veranschaulichte er bereits damals anhand der wachsenden Schere zwischen Arm und Reich.
 
Diese Analyse blieb nicht ohne Folgen. Auf ihrer Basis entstanden Gewerkschaftsbewegungen, denen es gelang, die Situation der Arbeiter kontinuierlich zu verbessern. Doch letztendlich war es ein anderer Aspekt dieser umfangreichen Schrift, der die weitere Geschichte prägte: Marx hatte die gesamte Historie in ineinander übergehende Zeitalter eingeteilt - Ackerbau, Feudalismus und Kapitalismus. Er spekulierte, dass die Instabilität des Kapitalismus als Wirtschaftssystem und der daraus wachsende Klassenkonflikt in einer großen Revolution gipfeln würde. Und genau diese Revolution würde zu einem paradiesischen Zustand namens Kommunismus führen.
 
Diese These beflügelte Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche aufstrebende Intellektuelle überall in Europa, unter ihnen einen gewissen Vladimir Iljitsch Lenin. Die Russische Revolution von 1905 war dann die erste von vielen "marxistischen" Umwälzungen, die die Welt bis heute erschüttert haben.
 
THOMAS DOGEN
Chefredakteur
Online-Redaktion
 
03.02.2010
 
 
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