Auch heute noch streiten sich Deutschland und Polen darüber, welcher Nationalität Nikolaus Kopernikus (1473-1543) zuzuordnen ist. Fest steht, dass der berühmte Mathematiker und Astronom in der Stadt Thorn im damaligen Westpreußen als Sohn eines Kaufmanns geboren wurde. Nach dem Tod seines Vaters zog er im Alter von zehn Jahren zu seinem Onkel, der Bischof im Ermland an der Ostsee war und sich fortan um seine Erziehung kümmerte. Dieser erschloss dem jungen Kopernikus - hauptsächlich durch seine kirchlichen Kontakte - für die damalige Zeit außergewöhnliche Bildungsmöglichkeiten. So reiste der junge Mann 15 Jahre durch Europa und studierte unter anderem an den Universitäten in Krakau, Padua und Rom. Da ihn alles interessierte, besuchte er Vorlesungen in Medizin, Theologie, Literatur, Jura, Altgriechisch, Mathematik und Astronomie. Schließlich ließ er sich als Domherr in der Stadt Frauenberg im Ermland nieder und diente seinem Onkel, dem Bischof, als Leibarzt.
Fortan fand er die Zeit, sich seiner eigentlichen Leidenschaft zu widmen: der Himmelskunde. In Padua hatte er sich in die astronomischen Texte des griechischen Mathematikers Ptolemäus (100-175) vertieft. Dessen Lehre, dass Sonne, Mond und Planeten die unbewegliche Erde umkreisten, galt damals als wissenschaftlich erwiesen und anerkannt. Kopernikus irritierten einige unlogische Schlüsse dieser Lehre, und er las sich durch die gesamte antike Literatur. Schließlich setzte der mathematisch bewanderte Domhe rr in theoretischen Modellen einfach die Sonne in den Mittelpunkt des Weltalls und errechnete daraus im Jahr 1506 eine Umlaufbahn für die Erde und alle anderen bekannten Planeten. Das Ergebnis war eindeutig: Ptolemäus musste sich geirrt haben! Jedoch weihte Kopernikus viele Jahre lang kaum jemanden in seine Forschungsergebnisse ein. Er hatte Angst, sich lächerlich zu machen, fürchtete aber besonders die Inquisition der katkolischen Kirche, da er mit seinem neuen Weltbild die biblische Schöpfungsgeschichte infrage stellte. Erst 1542, ein Jahr vor seinem Tod, entschloss sich Kopernikus zur Veröffentlichung seines Werkes "Über die Kreisbewegungen der Himmelskörper", nachdem der damalige Papst Paul III. dem Buch seinen Segen gegeben hatte.
Damit war der Bann gebrochen, und die Menschheit musste sich mit einem völlig neuen Weltbild auseinandersetzen. Dennoch bezahlten viele Naturwissenschaftler weiterhin für ihre neuen Erkenntnisse einen hohen Preis, da die Kiche starr an ihren rückständigen Denkstrukturen festhielt. Namhafte Astronomen wie Johannes Kepler und Galileo Galilei verbrachten für ihre bahnbrechenden Erkenntnisse Jahre in der Engelsburg in Rom, die von den Inquisitoren der katholischen Kirche eigens für "Ketzer" in ein Hochsicherheitsgefängnis umgebaut worden war. Der italienische Priester Giordano Bruno zum Beispiel kam nach dem Studium der Schriften des Kopernikus zu dem Schluss, dass "das Weltall unendlich sei und es viele Erden geben könne". Für diese "ketzerischen" Behauptungen wurde er im Jahr 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im Jahr 2000 gab der päpstliche Kulturrat in einer schriftlichen Erklärung bekannt, dass "man nun zu dem Schluss gekommen sei, dass die Ermordung aus kirchlicher Sicht Unrecht war".
Selbst Isaac Newton schrieb im 18. Jahrhundert, dass seine Erkenntnisse über die mathematischen Gesetze der Schwerkraft und die Bewegung der Planeten ohne die Schriften des Kopernikus nicht denkbar gewesen seien. Und Friedrich Nietsche verkündete im 19. Jahrhundert in einem seiner zahlreichen Pamphlete: "Nikolaus Kopernikus hat den Himmel entzaubert. Gott ist tot."
Fotos:
*Kopernikus - Porträt im Thorner Rathaus
*Originalmanuskript des Kopernikus
THOMAS DOGEN
Chefredakteur
Online-Redaktion
08.02.2010 |