Warum hat die Giraffe einen langen Hals? Die allgemein anerkannte Begründung, die dem jungen Charles Robert Darwin (1809-1882) zu Schulzeiten vermittelt wurde, stammte von dem französischen Naturforscher Jean-Baptiste de Lamarck: "Die Länge des Halses rührt daher, dass die Tiere ihn täglich recken, um die köstlichsten Blätter oben am Baum zu erreichen. Und diese Eigenschaft `langer Hals` wird dann an die nächste Generation vererbt." Auch der junge Darwin glaubte an diese Erklärung. Jedenfalls so lange, bis er sich 1831 als Naturforscher auf das britische Vermessungschiff HMS Beagle begab und fünf Jahre um die Welt reiste.
Charles Darwin wurde am 12. Februar 1809 in Shrewsbury/England - unweit der walisischen Grenze - geboren und wuchs mit fünf Geschwistern in einem sehr wohlhabenden Elternhaus auf. Seine Mutter starb bereits, als er acht Jahre alt war. Doch seine drei wesentlich älteren Schwestern und sein Vater, ein Arzt, sorgten für eine vorbildliche Erziehung. Charles besuchte Privatschulen oder hatte Privatlehrer, und begann bereits im Alter von 16 Jahren mit einem Medizinstudium an der Universität von Edinburgh/Schottland. Aber das Studium langweilte ihn, und er wechselte auf Anraten des Vaters in die theologische Fakultät der Universität Cambridge/England. Doch auch diese Vorlesungen besuchte er nur mit Widerwillen und schätzte sie als Zeitverschwendung ein. Seine gesamte Freizeit verbrachte Darwin mit dem Präparieren von Tieren und dem Studium der Schriften der großen Naturforscher und Freidenker wie Alexander von Humboldt, John Herschel oder Jean-Baptiste de Lamarck. Anfang 1831 schloss er sein Theologie-Studium im Fachbereich Naturtheologie dennoch als einer der Besten ab.
Zurück zum britischen Vermessungsschiff HMS Beagle: Im Auftrag der Britischen Krone sollte es die südliche Hemisphäre kartographieren. Charles Darwin heuerte auf diesem Schiff an, um die Welt kennenzulernen und sie geologisch zu erkunden. Fünf Jahre lang war er nun in Südamerika, auf den Galapagos-Inseln, auf Tahiti und in Australien unterwegs. Überall fiel ihm auf, wie ähnlich und dennoch im Detail verschieden ein und dieselbe Tier- oder Pflanzenart von Ort zu Ort, von Insel zu Insel war. Die kleinen "Modifikationen", die er überall beobachtete, brachten ihn auf die Idee, dass "Lebewesen sich ständig verändern - also mutieren - und nur die an die Umwelt Bestangepassten überleben". Darwin nannte diesen Vorgang "natürliche Selektion" und kam zu dem Schluss, dass diese Selektion für die Entwicklung allen Lebens auf der Erde verantwortlich sein müsse.
Im Jahr 1842 schrieb Charles Darwin seine Theorien ausführlich nieder, veröffentlichte sie nach jahrelangen weiteren Untersuchungen jedoch erst im Jahr 1858. Seine Ergebnisse wurden für die Naturwissenschaft zu einem Wendepunkt hinsichtlich der Evolutionstheorien. Zudem gilt Darwin mit seinen Schriften als Begründer der Genetik, womit er vor allem die katholische Kirche in Erklärungsnot brachte. Sein Werk "On the origin of species" ("Die Entstehung der Arten") wurde zum Standardwerk der Evolutionslehre, gilt bis heute als eine der Säulen der Biologie, Botanik und Zoologie und endet mit der auch heute noch faszinierenden Erkenntnis:
"Es ist wahrlich etwas Erhabenes um die Auffassung, daß der Schöpfer den Keim alles Lebens, das uns umgibt, nur wenigen oder gar nur einer einzigen Form eingehaucht hat und dass, während sich unsere Erde nach den Gesetzen der Schwerkraft im Kreise bewegt, aus einem so schlichten Anfang eine unendliche Zahl der schönsten und wunderbarsten Formen entstand und noch weiter entsteht."
Fotos:
* Charles Darwin im Alter von 59 Jahren
* Originaltitelseite der Erstausgabe "Die Entstehung der Arten"
THOMAS DOGEN
Chefredakteur
Online-Redaktion
04.03.2010
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