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Jazz in Bonn III
 
Jazz der internationalen Spitzenklasse im „Fiddlers“
 

Der Verein jazzin´bonn e.V. (über den Verein wird noch eingehend zu berichten sein) veranstaltete am 5. März 2010 in der Kultkneipe „The Fiddlers“ in Endenich ein Konzert, das keinen internationalen Vergleich zu scheuen brauchte. Ob das erste Stockwerk des „Fiddlers“ für ein derartiges Konzert optimal geeignet ist, darüber kann man - um es zurückhaltend zu formulieren - geteilter Meinung sein. Ein wohlmeinender Betrachter würde das Lokal wohl als „urig“ bezeichnen. Aber man kann dem Verein daraus keinen Vorwurf machen. Es ist in Bonn äußerst schwierig, eine optimal geeignete Spielstätte für Jazz zu finden. Der Verein erhält auch, im Gegensatz zu den Veranstaltern klassischer Konzerte, keine Subventionen.

Aber alle Unzulänglichkeiten werden durch die Musik mehr als ausgeglichen. Ein Besuch lohnt immer und auf alle Fälle. Der Name der auftretenden Band „Centerpiece“ ist nicht sehr bekannt, aber ein Blick auf die Namen der Musiker macht jedem Jazzfreund sofort klar, dass hier ein Ensemble der internationalen Spitzenklasse auftritt. Jeder Musiker ist ein absoluter Spitzenkönner auf seinem Instrument.

Um mit der Dame zu beginnen: Frauen als Musiker sind selten in Jazzbands, noch seltener mit einem so unhandlichen, schweren Instrument wie dem Kontrabass. Aber hier ist die Ausnahme: Lindy Huppertsberg, Europas bekannteste Jazz-Kontrabassistin. Von ihrem Vorbild, dem Bassisten Ray Brown, hat sie den Spitznamen „Lady Bass“ erhalten. Ihr kräftiger swingender Bass findet sich in vielen All-Stars-Besetzungen, auf vielen CDs und in den bekanntesten europäischen Frauen-Besetzungen wieder.

 

 

Der französische Trompeter Patrick Artero gilt auf der internationalen Jazzszene als einer der führenden, begnadeten Trompeter. Die Liste der Musiker, mit denen er aufgetreten ist oder Aufnahmen gemacht hat, liest sich wie eine Enzyklopädie des Jazz. Er kann einerseits seine Zuhörer mit kraftvollem Spiel mitreißen, andererseits ist er aber auch ein Meister der leisen und sensiblen Töne.

 

 

Matthias Seuffert gilt international als einer der vielseitigsten Jazz-Klarinettisten und -Saxofonisten. Seine stilistische Spannweite reicht vom frühen Jazz über Swing hin zum Bebop. Er ist ein beliebter und viel beschäftigter Solist, Ensemblespieler und Arrangeur in der internationalen Jazzszene, und arbeitet mit einigen der besten Interpreten dieser Musik in Studios und auf Konzertbühnen auf beiden Seiten des Atlantiks zusammen.

 

 

Thilo Wagner, fraglos einer der besten europäischen Jazz-Pianisten, hat bereits mit unzähligen Jazzgrößen auf der Bühne und im Studio gesessen. Als festes Mitglied in verschiedenen Bands wie der von Emil Mangelsdorff oder der Allotria Jazzband nahm er an Jazz-Festivals in der ganzen Welt teil. Heute ist Thilo einer der gefragtesten Begleitpianisten für die Europatourneen von amerikanischen Jazz-Stars. 1998 erhielt er den Preis „Bester Jazz-Solist” beim Vienne Jazz Festival in Frankreich.

 

 

Gregor Beck gehört zu den angesehensten Schlagzeugern Europas. Seine Art zu spielen, die einerseits durch Drive und spektakuläre Technik, andererseits durch einen ungemein swingenden und einfühlsamen Stil besticht, erinnert an Becks große Vorbilder: Big Sid Catlett, Jo Jones, Gene Krupa, Buddy Rich und Beyond. Er hat aber längst seine „eigene Sprache“ gefunden und erweitert sein Spektrum ständig.

Diese fünf Musiker, die Band „Centerpiece“, bewegen sich an der Schnittstelle von Swing und Bebop. Mit Herz, Seele und Leidenschaft interpretieren sie Titel aus dem „Great American Songbook“, dazu selten gespielte mitreißende Swingtitel, liebevoll arrangiert und mit authentischem Groove gespielt, Swing und Straight Ahead Jazz mit bluesigem Stallgeruch in Reinkultur. Die große Homogenität und Stärke des Qintetts basiert auf dem ähnlichen musikalischen Hintergrund: Alle sind seit vielen Jahren an der Spitze der europäischen Jazzszene etabliert und gehören zu den gefragtesten „All-Star“-Musikern in Deutschland und Europa.

Es war ein begeisterndes Konzert, dass diese Band im „Fiddlers“ geboten hat. Für alle anwesenden Jazzfans und Jazzfreunde ein wahrer Genuss.

 
HANS GILLES
Redakteur EchoNET
 
11.03.2010
 
 
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