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Wussten Sie eigentlich schon .....
 
Kurzgeschichten über Bedeutung und Herkunft von Sprichwörtern
 
  Etwas auf dem Kerbholz haben
 
Wenn heute davon die Rede ist, das einer etwas auf dem Kerbholz hat, dann meinen die Leute, dass der Besagte bis jetzt in seinem Leben nicht nur Gutes getan hat. Im Kerbholz früherer Tage wurden aber nicht Missetaten eingetragen, es war vielmehr eine praktische Methode der Arbeitszeit-verrechnung.
Der Bauer und seine Tagelöhner erhielten jeweils die Hälfte eines der Länge nach geteilten Stocks. War der Arbeitstag zu Ende, wurden die beiden Hälften genau zusammengelegt und eine Kerbe hinein geschlagen. Damit hatte sowohl der Bauer als auch der Tagelöhner einen Beleg über die verrichtete Arbeit.
 
War der letzte Arbeitstag der Woche, der Samstag, beendet, konnte der Bauer an seinem Teil des Kerbholzes sehen, was er dem Tagelöhner zu zahlen hatte, und dieser wiederum wusste, auf wie viel Geld er Anspruch erheben konnte. Eine einfache, aber sehr sinnvolle Methode. Der Bauer konnte seinen Teil des Kerbholzes nicht gegen ein anderes auswechseln, in das weniger Kerben hineingeschnitten waren, und der Tagelöhner keine Kerben hinzufügen, um mehr zu beanspruchen als ihm zustand.
                                                                               
 
Kein Wässerchen trüben
 
Wer harmlos, gutmütig, fröhlich und ehrlich ist, wer seinen Mitmenschen nichts Böses zufügt, von dem sagt man, das er „kein Wässerchen trüben könnten," dabei haben sie es „faustdick hinter den Ohren“, dann ist Vorsicht geboten.
 
Das Sprichwort stammt aus einer Äsopischen Fabel. Der Erzähler war Sklave im alten Griechenland vor gut 2500 Jahren. Er besaß eine reichliche Portion Mutterwitz und steckte voller Geschichten und Eulenspiegeleien. 300 dieser Fabeln, die Äsop erzählt haben soll, wurden später aufgeschrieben und gingen als die Äsopischen Fabeln in die Literaturgeschichte ein. Eine dieser Fabeln handelt von einem Wolf, der an einem Bach seinen Durst stillte. Plötzlich entdeckte er ein Lamm, das weiter unten am Bach ebenfalls Wasser trank. „Hoho“ schrie der Wolf, „Du willst mir das Wasser trüben!“ und stürzte sich auf das Lamm, und obwohl es heftig beteuerte, dass es das Wasser gar nicht trüben könnte, denn kein Bächlein fließe den Berg hinauf, fraß der Wolf es auf. Ihm war es egal. Hauptsache, er hatte wohlschmeckende Beute gemacht.
                                                                                              
                                                                           
Abwarten und Tee trinken ...
 
das sagt der Alltagsphilosoph, wenn er sich in einer nicht so ganz einfachen Situation befindet, deren Lösung noch in der Ferne liegt. „Abwarten und Tee trinken“ , das denken auch Eltern, wenn die Kinder mal über die Stränge schlagen, sie selbst waren ja auch mal jung. Abwarten und Tee trinken gilt also immer dann, wenn man aus einem gegenwärtig etwas grauen Alltag optimistisch in die bessere Zukunft blickt.
Aber wo kommt das  Sprichwort her? Hat da vielleicht ein bedeutender Mann aus dem Inselreich Großbritannien sich mit Geduld gewappnet und derweil seinen geliebten Tee getrunken? Das mag nahe liegen, aber der Ursprung ist ein anderer.
 
Lag früher ein Mensch mit Fieber, Bauchgrimmen oder anderen Beschwerden im Bett und der Doktor wurde gerufen, dann war seine Tasche gefüllt, aber noch nicht mit rasch wirkenden Medikamenten unserer Zeit, sondern in der Hauptasche mit Kräutertees, Baldriantropfen und anderen Heilmitteln der Natur. Und da die Menschen viel mehr Zeit als heute hatten, verschrieb er dem Patienten den entsprechenden Tee, befahl ihm, fleißig zu trinken und die Besserung abzuwarten. Abwarten und Tee trinken - bis die Krankheit vorbei war.

                                                                              Dr. Hannelore Schmitz

 
 
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