Vor 190 Jahren, am 5. Juni 1820, wurde Adolf Schults geboren - ein deutscher Dichter aus Wuppertal-Elberfeld. Ein Dichter, der auch Gedichte zu sozialpolitischen Themen schrieb.
"Na und?", werden jetzt manche fragen, "was interessiert uns das heute noch? Das war im 19. Jahrhundert. Wir leben heute im 21. Jahrhundert!"
Richtig. Aber was Adolf Schults im 19. Jahrhundert, im Zeitalter der Industrialisierung, schrieb, bekommt heute - im 21. Jahrhundert - eine hoch aktuelle Relevanz. Aber lesen Sie selber sein Gedicht "Der Geldsack":
Ob ihr einen König habt
heuer zum Regenten,
oder ob ihr seid begabt
mit dem Präsidenten,
habt ihr Konstitution
oder habt ihr keine:
Einer sitzet auf dem Thron,
und hernieder voller Hohn
blicket er, dieser Eine -
der Geldsack, der Geldsack!
Könige wurden oft gestürzt,
abgeknickt wie Reiser,
und das Leben gar gekürzt
manchem mächtigen Kaiser:
Keine Revolution
jemals aber keine
stürzte diesen noch vom Thron,
höher als ein Göttersohn
dünkt sich dieser Eine -
der Geldsack, der Geldsack!
Doch es kommt, es kommt die Zeit,
wo auch er muss fallen,
ja, die Stund` ist nicht mehr weit -
seht euch vor, Vasallen!
Eine Revolution
werden wird`s wie keine,
wenn entsagen muss der Kron,
wenn er herunter muss vom Thron
endlich dieser Eine -
der Geldsack, der Geldsack!
Die Lebensverhältnisse in unseren demokratischen Gesellschaften werden von den Finanzmärkten bestimmt, nicht von den gewählten Volksvertretern. Das aktuelle Sparpaket der Bundesregierung ist der Beweis für die Ohnmacht der Politik. Die Finanzmärkte sind demokratisch nicht legitimiert, aber sie entscheiden über Weh und Wohl der Bürger. Demokratie in der Krise? Wohl Ja! Das Primat der Politik ist zu einer Utopie geworden. Die Bundesregierung läuft den Spekulanten hinterher, spannt einen Rettungsschirm nach dem anderen und verharrt in tatenloser Ohnmacht. Es bleibt wie es ist: Es regiert der "Geldsack"!
Ulrich M. Golinske
EchoNET-Online-Redaktion
09.06.2010
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