Aus der Sicht des jungen nigerianischen Betriebswirts Okoro erleben wir, wie ein Afrikaner die deutsche Mittelschicht kennen lernt und beurteilt, wie er alle Register der politisch erwünschten Integration zieht, um schließlich nirgends richtig zu Hause zwischen allen Stühlen zu sitzen. Die Perspektive seiner Freundin und späteren Frau ist tagebuchartig in Form von kürzeren
und schnoddrigen Gedankensplittern eingeschoben.
Mit dem falschen Visum eingereist, kann er zu seinem Entsetzen nur Asyl beantragen statt sein Studium fortsetzen. Er begegnet in Bretten der weltoffenen Turkologin Sonja und bezaubert sie durch Lebenslust und Optimismus. Während er sie damit bei der Stellensuche stärkt, fördert sie seinen Willen, sich mit Hilfe deutscher Tugenden einen angesehenen Platz in der Gesellschaft zu erobern. Eine Karrierestufe nacheinander erklimmt er, erhält eine Aufenthaltsgenehmigung in Karlsruhe, zieht mit Sonja nach Bonn und heiratet sie in Lagos. Sie geht davon aus, den Vorurteilen der Umwelt zum Trotz als gebildete Frau erfolgreich diesen Mann auf ihrer Gesellschaftsstufe zu etablieren. Je mehr er sich anpasst und seine Identität als Schwarzer auf dem Prüfstand steht, desto stärker der Wunsch nach gleichartiger Gesellschaft, was ihn in eine Schwierigkeit nach der andern stürzt. Der deutsche Pass und die Anerkennung seines Studiums scheinen sein Glück vollkommen abzurunden, aber es kommt anders, und auch der dritte erfüllte Herzenswunsch -ein Kind- ändert nichts. Der Clansolidarität gehorchend setzt er schließlich seine Ehe aufs Spiel.
Der einfühlsame Roman von Katrin Okumafi gibt einen Einblick in die Denk-
und Verhaltensweisen jener Menschen, die aus unterschiedlichen Motiven ein
neues Leben fernab ihrer Heimat beginnen möchten. Okumafi gelingt es fabelhaft, die Sicht der Betroffenen aufzuzeigen und jene Barrieren und Vorurteile zu benennen, die sich beiderseitig und – leider inzwischen auch zunehmend – gesellschaftlich verwurzelt manifestieren.
Elias, Verleger
Katrin Okumafi, Kein Fleckenwasser für Leoparden, Greifenverlag 2009
ISBN 978-3-86939-404-6, 19,90 €
Interessant für Leser(innen), die sich u.a. für den fremden Blick auf die eigene Kultur interessieren; Afrikareisende; alle, die mit Migranten zu tun haben
Zur Autorin:
Katrin Okumafi (Pseud.) Promotion in Vor- und Frühgeschichte, Archäologie und
Ägyptologie; organisierte Ausstellungen. Seit 2004 freiberufliche Historikerin und Wissenschaftsjournalistin; lehrt kreatives, insbesondere autobiografisches
Schreiben. Zahlreiche selbständige Expeditionen nach Syrien, Nordafrika und in die Türkei. 1997/8 Feldforschung zum Thema Hexenglauben in Benin City/Nigeria.
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