galt es nun anzusprechen. Im Juli 2001 war es dann endlich so weit, und das erste Treffen fand mit 40 Spätaussiedlern und etwa 10 Besuchern einer Seniorenbegegnungsstätte statt.
Inzwischen sind anderthalb Jahre vergangen, und es hat sich ein Kreis, „Die Spätaussiedlerrunde“, zusammengefunden. Sinn und Zweck dieser Runde ist es, die Deutschen aus den GUS-Staaten mit ihrer neuen Heimat, dem neuen Umfeld, der Kultur und Geschichte vertraut zu machen. Hierzu gehört auch, neue Menschen kennen zu lernen und Freundschaften „in den eigenen Reihen“ und mit der einheimischen Bevölkerung zu schließen.
Ein Programm, das alle zwei Monate neu erscheint, hilft dabei. Darin werden Veranstaltungen mannigfacher Art angeboten: regelmäßige Treffen zum Gespräch miteinander und zum Kennenlernen, Stadtrundfahrten, Schiffstouren auf Rhein und Mosel, Beteiligung an Fahrten von Seniorenbegegnungsstätten in die Umgebung, Teilnahme an Veranstaltungen in Seniorenbegegnungsstätten, Besuche von Konzerten, Museen, Opern, Theatern und anderen Kulturstätten, Wanderungen, Basteln, Singen, Brauchtumspflege (Karneval, St. Martin), Tanzveranstaltungen sowie gemeinsame Feste wie Nikolaus- und Weihnachtsfeier.
Den meisten Spätaussiedlern war in ihrer alten Heimat diese Art der Freizeitgestaltung fremd, sie finden sich aber in den neuen Lebensverhältnissen zunehmend zurecht. Viele der Spätaussiedler-Senioren sprechen gut Deutsch. Sie lernten es zu Hause von ihren Eltern, die oft nur schlecht Russisch sprechen konnten. Deutsch lesen und schreiben können sie mitunter nicht, da sie in den Schulen während der Kommandanturbewachung (1941 bis 1956) fast nur Russisch lernen durften.
Für mich ist es immer wieder schön, die Aufgeschlossenheit der alten deutschen Menschen aus Russland und den anderen GUS-Staaten zu erleben, auch ihr Interesse, unser Leben, unsere Kultur und Geschichte kennen zu lernen. Andererseits sehe ich auch ihre Zurückhaltung gegenüber ihnen fremden Menschen. Sie haben Hemmungen ihrer Sprache wegen, weil sie nicht so fließend Deutsch sprechen können wie die Einheimischen und auch viele Begriffe unserer mit Amerikanismen durchsetzten modernen Sprache nicht kennen.
Sehr freuen würde ich mich, interessierte Einheimische und neue Aussiedler in der „Spätaussiedlerrunde“ begrüßen zu dürfen. Zur Zeit treffen wir uns jeden ersten und dritten Dienstag im Monat von 14 bis 17 Uhr in der städtischen Begegnungsstätte für Seniorinnen und Senioren „Brüser Berg“, Fahrenheitstraße 49, 53125 Bonn.
Text und Fotos: Waltraud Döllefeld
Amt für Soziales und Wohnen Haus der Bonner Altenhilfe Flemingstr. 2 53123 Bonn
Tel.: 0228 / 97 98 218 |