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Kaiserin Zita
 
Zita von Bourbon-Parma, geboren am 9. Mai 1892, Villa Pianora bei Viareggio (Italien), gestorben am 14. März 1989, Zizers (Schweiz) - wer kennt sie noch, die letzte österreichische Kaiserin und Königin von Ungarn? ...
 

Wer weiß noch von ihrem Engagement gegen den Krieg? Ob sie sich heutzutage der wieder erstarkten Friedensbewegung angeschlossen hätte? Zita übernahm 1916 ihrer Auffassung gemäß die ihr aufgetragene Verantwortung als Monarchin, nicht nur als Beraterin ihres Mannes. „Es änderte sich mit der Regierungsübernahme mein Leben vollständig, da ich jetzt Landesmutter geworden war und daher alle Schwierigkeiten und Nöte auch auf meine Schultern geladen waren. ... Natürlich bin ich dann auch sehr viel hinausgegangen an die Front und hab das ganze Elend gesehen ... Das alles mußte ich bewältigen und trachten, nach Möglichkeit helfend einzugreifen. ...“1

Zita versuchte 1917 zusammen mit ihrem Mann, Karl I. von Österreich, durch geheime Verhandlungen mit den Alliierten einen Separat-Friedensabschluss zu erreichen und den ersten Weltkrieg auf diese Weise vorzeitig zu beenden - als „Sixtus-Affäre“ in die Annalen eingegangen. Beide hatten sich ein eigenes Bild von den Schrecken des Krieges verschafft - Karl bei Besuchen an der Front, Zita im unermüdlichen Einsatz in Lazaretten. Karl wurde von seinen Anhängern als „Friedenskaiser“ bezeichnet, aber von Historikern als politisch unerfahren abgestempelt, Zita wurde diffamiert - entweder als Französin oder als Italienerin beschimpft und so mit den „Erzfeinden“ identifiziert. Karl I. musste sich 1919 aus der Regierung zurückziehen, dankte formal jedoch nicht ab und ging mit seiner Familie ins Exil. Damit waren beide von der politischen Bühne verschwunden, auch wenn Karl weiter unbeirrt versuchte, für die österreichische Unabhängigkeit vom Deutschen Reich einzutreten. Beide unternahmen 1921 einen abenteuerlichen Versuch, in Ungarn die „verfassungsmäßige Ordnung“ (d.h. die 1000-jh. des hl. König Stephan) wieder herzustellen, Karl scheiterte endgültig und starb ein Jahr später. Zita blieb zurück als Witwe mit acht kleinen Kindern.

Zita war bis zu ihrem Tod der Überzeugung, dass die Monarchie die bessere Staatsform sei, und blieb eine Konservative im wörtlichen Sinn. Sie schreibt in ihrem Vermächtnis 1989: „Noch ist das Ziel nicht erreicht, noch ist der Friede, für dessen Gewinnung Kaiser Karl alles gegeben hat, nicht gesichert, noch ist unsere gemeinsame christliche Zivilisation bedroht ... Auch vertraue ich ..., daß unser Europa zu den geistigen und sittlichen Wurzeln zurückfindet, die allein seine Zukunft sichern können.“2

Wer war diese Zita? Hier die nüchternen Lebensdaten: Zita wurde als 5. von 12 Kindern geboren, Tochter des Herzogs Robert v.Bourbon-Parma und seiner Frau Maria Antonia, wuchs abwechselnd in Österreich und Italien auf, inmitten der großen Familie, genoss eine intensive Ausbildung (Klosterschule in Zangberg/Bayern) und wurde mehrsprachig, kosmopolitisch und streng katholisch erzogen, - in ihrer Erinnerung eine glückliche Kindheit. Studien in Sprachen und Musik auf der Insel Wight vervollständigen ihre Ausbildung. Sie heiratete 1911 Karl Franz Joseph, einen Großneffen des österreichischen Kaisers Franz Joseph. 1912 wurde der 1.Sohn geboren, der spätere Otto von Habsburg. Bis 1922 brachte sie noch sieben Kinder zur Welt, das Jüngste nach dem Tod ihres Mannes im Exil. Zita war fortan in der Öffentlichkeit nur noch schlicht gekleidet und in Schwarz zu sehen.

Sie lebte bis 1929 in Spanien, danach 11 Jahre in Steenockerzeel bei Brüssel. Die Kinder gingen zur Schule, Otto nahm sein Studium an der Universität Löwen auf - eine sorgenfreie Zeit, bis im Mai 1940 die Invasion der Deutschen die Familie zur Flucht zwang. Die ‘Reise’ endete schließlich in Quebec, Kanada.

Zitas intensiver Einsatz für Österreich begann jetzt erst richtig. Sie kämpfte um die Wiedererrichtung eines unabhängigen Österreichs und knüpfte an ihre „stille Diplomatie“ seinerzeit an: u.a. mehrmalige Treffen mit Präsident Roosevelt. Sie erreichte die Aufnahme Österreichs in die Liste der zu befreienden oder wieder zu errichtenden Ländern nach einem Sieg über Hitler. Nach Kriegsende ging Zita in USA und Kanada auf große „Betteltour“, um Geld und Lebensmittel für ihre Landsleite zu sammeln. Aber sie verstand es auch, den heranwachsenden Kindern ihre politischen Werte zu vermitteln und sie einzubeziehen in ihre Aktivitäten. Mehrere, besonders Adelhaid, übernahmen später Verantwortung in sozialen Berufen.

1953 kehrte Zita zunächst nach Luxemburg zurück, wo sie ihre kranke Mutter pflegte, 1962 siedelte sie in das Johannesstift Zizers/Graubünden über. 1982 durfte sie in die demokratische Republik Österreich einreisen, ohne die ursprünglich geforderte Verzichterklärung auf den österreichischen Thron abzugeben. Noch zur Beerdigung ihrer Tochter Adelhaid 1971 war ihr die Einreise verwehrt worden. Jetzt besuchte sie mehrere der geschichtsträchtigen Orte, wurde bejubelt, genoss das Bad in der Menge und konnte sich noch einmal als Landesmutter fühlen. Der TV-Film 1972 (E.Feigl) Die Kronzeugin, der keinerlei anklagende Töne von ihr enthielt, sondern eine reflektierende und mitfühlende Zita darstellte, mag zum öffentlichen Stimmungswandel beigetragen haben. Sie konnte 1982 wirklich heimkommen. Die letzten Lebensjahre verbrachte sie hellwach, interessiert am Zeitgeschehen, aber immer mehr erblindend. Sie starb 1989 in Zizers, betrauert von einer großen Familie und von vielen ehemaligen „Landeskindern“, wurde im Stephansdom aufgebahrt und in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt.

___________________
1 aus E. Feigl: "Kaiserin Zita - Kronzeugin eines Jahrhunderts", 1989
2 dito

Benita Glage

Biografien u.a.:

 
 
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