Da fällt mir eine kleine Geschichte ein. Rama Tschandra lag im Schatten seiner Hütte und hielt Mittagsschlaf, als sich Besuch einstellte. Der Gast war ein reicher Kaufmann aus der nächsten Stadt, der für seine Tochter, die er bald verheiraten wollte, einen Teppich bestellen wollte, denn Rama Tschandra war bekannt für die auserlesenen Teppiche, die er knüpfte.
Er war aber auch bekannt dafür, dass man sehr lange warten musste, wenn man einen Teppich in Auftrag gegeben hatte. Es entwickelte sich folgender Dialog:
Hey, Rama Tschandra, wach auf. Du verschläfst ja dein halbes Leben. In drei Stunden geht die Sonne unter und du hast heut Nachmittag noch keinen Knoten geknüpft.
Rama Tschandra öffnete widerwillig die Augen und sprach: Hab’ heut morgen schon geknüpft.
Aber Rama Tschandra, du kannst doch auch nachmittags knüpfen, dann verdienst du mehr Geld.
Und was fang ich an mit dem Geld?
Naja, du könntest ein, zwei Leute einstellen und noch mehr Teppiche knüpfen. Dazu würdest du noch mehr Teppiche verkaufen.
Und was mach’ ich, wenn ich noch mehr Teppiche verkaufe?
Du könntest 10, 20 Leute beschäftigen, eine Werkstatt bauen, viel Geld einnehmen, würdest reich, Miete einnehmen.
Und was nützt mir der Reichtum?
Du könntest deiner Frau schöne Kleider kaufen, reisen, gut essen, bräuchtest nicht mehr so viel zu arbeiten, könntest in Ruhe im Schatten liegen.
Aber das tue ich ja sowieso.
Rama Tschandra sprach’s, gähnte, drehte sich auf die Seite und schlief weiter.
Literatur zu dem Thema:
Simmel, Goerg: "Philosophie des Geldes", herausgegeben von Alexander Ulfig, 2001. 592 Seiten (erhältlich bei Bücher.de)
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