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Erinnerung an Karlrobert Kreiten (1916-1943)
 
In einer gutbürgerlichen Berliner Wohnung hängt ein überdimensionales Bild. Es zeigt Adolf Hitler im braunen Mantel mit stechendem Blick. „Nimm das Bild des Teppichbeißers von der Wand, ...
 

der Krieg ist verloren", sagt der junge Pianist zu der Freundin seiner Mutter. In deren Wohnung übt er für ein bevorstehendes Konzert, er hat noch keine Unterkunft in Berlin. Mit seiner Bemerkung hat er eine teuflische Maschinerie in Bewegung gesetzt, die zu seinem gewaltsamen Tod als Hitlergegner am 7. September 1943 führen sollte.

In den 90er Jahren besuchte ich die Hinrichtungsstätte in Berlin-Plötzensee. Im Vorraum hing das Original-Todesurteil, unterzeichnet von Freisler und Stier. „Meine Lebenslinie bricht jäh ab", hatte einmal der junge, in Bonn geborene Karlrobert Kreiten gesagt, „ich werde nicht alt."

Geboren wurde er während des Ersten Weltkrieges am 26. Juni 1916 im Haus Endenicher Straße 40. Zwei Jahre später zogen seine Eltern mit dem Kleinkind nach Düsseldorf. Sein Vater, Theo Kreiten, war Komponist und Konzertpianist, seine Mutter die Sängerin Emmy Kreiten-Barido. Karlrobert erhielt Klavier- und Geigenunterricht und gab schon früh Konzerte. Er gewann mehrere Wettbewerbe, sammelte Preise über Preise und Ehrungen über Ehrungen und sah einer glänzenden Laufbahn als Konzertpianist entgegen. Vor dem Krieg erhielt er eine Einladung nach Amerika, der er fatalerweise nicht folgte.

Die Bekannte seiner Mutter, der gegenüber er sich negativ über den "Führer" geäußert hatte, war entsetzt. Es entspann sich ein heftiges Streitgespräch. Als der Pianist gegangen war, eilte die Dame zu einer Nachbarin und berichtete über die antinationalsozialistischen Äußerungen. Diese Frau hatte eine Führungsposition innerhalb der NSDAP. Sie zog noch eine Freundin, eine Sängerin, ins Vertrauen und die drei beschlossen, Karlrobert Kreiten anzuzeigen. Die Reichsmusikkammer, bei der sie Anzeige erstatteten, leitete aber die Denunziation nicht weiter. So blieb der Pianist vorerst unbehelligt.

Die Verräterinnen gaben jedoch keine Ruhe und gingen nach geraumer Zeit mit ihrer Anzeige direkt zur Geheimen Staatspolizei in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin. Nun nahm das Verhängnis seinen Lauf. Am 3. Mai 1943 wurde Kreiten im großen Universitätssaal in Heidelberg vor seinem Konzertauftritt verhaftet und nach Berlin gebracht. Dort war er während des Sommers eingekerkert und überlebte etliche schwere Bombenangriffe. In der Nacht vom 7. auf den 8. September wurde er in Berlin-Plötzensee erhängt. Außer ihm starben noch 186 andere Menschen am Galgen. Den Eltern des toten Pianisten schickte die Gerichtskasse für die Hinrichtung eine Kostenrechnung in Höhe von 639,20 Reichsmark.

Das erste Konzert meines Lebens, am 25. November 1938 in der alten Bonner Beethovenhalle, war ein Konzert mit Karlrobert Kreiten. Ich bin dankbar dafür, dass ich ihm begegnet bin.

Anneliese Barbara Baum

Weiterführende Informationen: Klicken Sie hier.

 
 
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