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Wir sind an diese mannigfach beklebten Säulen gewöhnt. Seit wann stehen sie eigentlich so dick und mitteilsam an ihrem Platz?
Es war ein findiger Druckereibesitzer namens Ernst-Theodor Litfaß in Berlin, der im Jahre 1854 mit seinem Polizeipräsidenten einen Vertrag abschloss, der ihn berechtigte, im Stadtgebiet Plakate anzubringen. Als Gegenleistung ließ er 50 Brunneneinfassungen reparieren und 30 öffentliche Toiletten errichten, an deren Wänden er seine Plakate anbrachte. Schon sehr schnell hatte er den Einfall, die uns bekannten Zementsäulen an geeigneten Plätzen aufzustellen und die Anschlagflächen auf diesen zu vermieten. In unseren Tagen haben Werbeagenturen dieses Geschäft übernommen.
Seit dem 1. Juli 1855 stehen sie nun und verkünden uns Neues! Dass sie aus dem vorletzten Jahrhundert stammen, glaubt man kaum.
Ich komme täglich an „meiner“ Litfaß-Säule vorbei und bleibe meistens für ein paar Augenblicke stehen, um die Anschläge zu studieren. Sie auch, lieber Leser? Das ist also auch ein Medium und ganz gewiss keines der so genannten neuen.
Gisela Seelhorst
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