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Oman - Das Musterland am Arabischen Golf?
 
Bis 1970 herrschte in Oman ein Sultan wie im tiefen Mittelalter, und wer konnte, hatte das Land verlassen. Dann geschah es. Mit einem Handstreich ...
 

Mit einem Handstreich setzte Kabus bin Said seinen Vater ab und rief seine Landsleute in aller Welt auf, zurückzukehren und ihm zu helfen, ein modernes Land aufzubauen. Als wichtige Ziele nannte er Gesundheit, Bildung und Kommunikation.

Heute, nach über 30 Jahren, ist Oman das islamische Musterland mit Blick in die Zukunft. Kein Dorf, wohin nicht eine Straße führt, Strom- und Wasserversorgung sind gesichert. Vom Flughafen Seeb führt eine 35 Kilometer lange, beleuchtete, vierspurige Schnellstraße über Straßenüberführungen, vorbei an modernen Ministerialgebäuden, Schulen, Krankenhäusern und Gewerbegebieten nach Muskat. Jeder Omani wird einem sagen, dass diese Verwandlung seiner Majestät Sultan Kabus bin Said zu verdanken ist.

Ich habe, wie Journalisten aus anderen Ländern auch, eine Einladung zum Nationalfeiertag bekommen, der jedes Jahr an einem anderen Ort gefeiert wird. Dazu durfte ich noch Interessenschwerpunkte äußern. Oman ist ein Land mit einer uralten Zivilisation von 12.000 Jahren, daher interessierten mich die Ausgrabungen bei Salala im Süden des Landes und auf der anderen Seite die Wasserschildkröten von Ras al Hadd, die nachts an Land kommen, um Eier zu legen.

Was mich beeindruckt, ist die Tatsache, dass die Frauen seit 1976 gleichberechtigt sind. Sie können studieren. Sie arbeiten an maßgeblichen Stellen in den Ministerien. Sie spielen eine wichtige Rolle in der ROP, der königlich omanischen Polizeitruppe. Die Landfrauen werden besonders gefördert, und es gibt 13 Frauenorganisationen. Die Frauen huschen nicht schwarz vermummt durch die Gassen, sondern tragen farbenfrohe Gewänder. Dass hier ein anderer Wind weht als in den Nachbarstaaten, wurde mir schon bei der Ankunft am Flughafen bewusst.

Als ich am Morgen nach dem Frühstück in die Hotelhalle komme, winkt mir der Omani zu, der mich gestern am Flughafen in Empfang genommen hat, und lädt mich in einem traditionellen Zelt zum Kaffee ein. In der Mitte der Halle sitzen drei Omanis, die sich um die Programme der Journalisten kümmern, mit den Insignien der Omani, links der Dolch, rechts das Handy, lustig und vergnügt. Ich stelle mich an. Vor mir ein kanadischer Kollege, der seine Unterlagen ausgehändigt bekommt. „But don’t loose your voutures, or Abdallah becomes angry.” Schallendes Gelächter. Was ich mir in keinem Nachbarland erlauben dürfte, trägt hier zur allgemeinen Erheiterung bei.

Mein erster Termin ist beim Minister für Nationales Erbe und Kultur, seiner Hoheit Sayyid Faisal bin Ali al Said. Im Vorzimmer werde ich gebeten, noch zu warten, der Minister telefoniere per Konferenzschaltung mit verschiedenen Hauptstädten. Dann werde ich von einem freundlichen älteren Herrn empfangen und erhalte eine Einführung in das kulturelle Erbe.

Über 500 Festungen sind über das ganze Land verstreut, viele davon von der UNESCO als Wahrzeichen architektonischen Welterbes anerkannt worden. Das Gespräch kommt auf den Schiffbau und die Seefahrertradition. Zum Abschluss schenkt er mir ein Buch, das entstanden ist in Zusammenarbeit mit der UNESCO, über die „Seidenstraßen“. Und endlich erfahre ich, was ich schon lange vermutet hatte, worüber wir in Europa kaum etwas wissen: Es gibt nicht nur zwei Seidenstraßen, sondern viele, ich kann sie gar nicht zählen, die sich im Laufe der Jahrhunderte durch Asien zogen, kreuz und quer. Das Buch enthält eine Karte, in der sie alle verzeichnet sind.

Am Nachmittag nimmt uns eine Vertreterin des Informationsministers – ein Schweizer Kollege kommt mit – in Empfang und zeigt uns moderne Wasseranlagen und restaurierte Festungen. Sie ist sehr freundlich und offen, so dass ich sie nach Kopftüchern und Schleiern frage. Der Schleier ist kein Muss und die Farbe schon gar nicht. „Aber“, meint sie, „wenn ich zu einer Bank gehe, um dort ein Geschäft abzuschließen, dann wähle ich einen vornehmen Schleier, den ich elegant über Kopf und Schultern drapiere.“ Das macht Sinn.

Am nächsten Tag strömt alles nach Nizwa, wo diesmal der Nationalfeiertag stattfindet. Ein buntes, fröhliches Gedränge aus allen Richtungen, und abends hält der Sultan, umgeben von den Stammesfürsten, eine Rede. „Dear Countrymen“ - liebe Landsleute.

Die Rede ist sehr klar. Es geht um die Stabilität und die Zukunft des Landes. Extremismus und Fanatismus, egal, welcher Art, dürfen sich in Oman nicht entwickeln. Ich sitze auf der Pressetribüne nicht weit entfernt und kann mir den Mann ansehen, der das Land aus dem Mittelalter in die Neuzeit gebracht hat und hier Klartext spricht. Dass er bei politischen Konflikten im Ausland vermittelt, dass er im eigenen Land in die Dörfer fährt und sich die Sorgen seiner Landsleute anhört und hilft, das sind nur zwei Dinge, von denen wir in Europa nichts wissen.

Am nächsten Tag fliege ich nach Salala im Süden, lerne die Bäume kennen, die den berühmten Weihrauch liefern, und besichtige die Ausgrabungen, die 7.000 Jahre alt sein sollen. Und am übernächsten Tag bekomme ich einen Landrover mit Fahrer. In Suhr besichtige ich die Werften, wo die traditionellen Daus gebaut werden, und nachts machen wir uns auf den Weg, um im dunkeln die Wasserschildkröten zu beobachten, wie sie an Land kommen, Löcher in den Sand bohren und dort die Eier ablegen, die dann vom warmen Sand ausgebrütet werden. Auf der Rückfahrt betrachte ich interessiert die Dekorationen an der Straßenseite mit historischen Gefäßen, einheimischen Tieren, Toren und Türmen.

Schlussakkord. Mit einem sachkundigen Begleiter und zwei Kollegen gehe ich zum Shopping in den Basar von Muskat. Der Silberschmuck, der dort angeboten wird, lockt mich. Ein schwerer Silberarmreifen hat es mir angetan. Als ich zögere, sagt mein Begleiter: „Sie sollten ihn kaufen, wenn Sie wieder zu Hause sind, ärgern Sie sich, wenn Sie es nicht getan haben.“ Recht hat er gehabt.

Text und Fotos: Dr. Hannelore Schmitz

 
 
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