
jenseits des Arbeitslebens, zum Ruhestand etwa, ab 65 oder vorgezogen ab 60 oder sogar früher. Ich wette, wenn wir es darauf anlegen, können wir binnen kürzester Frist einen bekannten Film-, TV- oder Schlagerstar um die 60 präsentieren, der gerade eine neue Herzdame (sprich: Lebensabschnittsgefährtin) unter Dreißig an seiner Seite vorzeigt. Keiner staunt oder wundert sich. So ist es eben. Und die Partnerin ist stolz darauf, sein Vitalitätsnachweis zu sein.
Ja, und Liebe? Sex gehört dazu, natürlich. Den kann man stimulieren und auch ausbauen zu einem Hochleistungssport. Öfter keucht er von den Bildschirmen.
Wir bezeichneten vor nicht allzu langer Zeit denjenigen als guten Liebhaber, der sich erst einmal gut auf die „Ouverture“ verstand, - vor dem Vollzug der Liebe - einen charmanten Brief schreiben, anrufen und nach dem Befinden fragen konnte, einen Blumenstrauß schenkte oder eine einzelne Blume mit einem selbstverfaßten Vers überreichte, der ein bißchen festlich ausgehen wollte und sich dafür sorgsam und „proper“ anzog, und bei dem dies alles weniger eine Sache des Geldes als des guten Willens war.
Gerade im Alter müßte dies glücken mit Lebenserfahrung, Menschenkenntnis und erprobtem Einfühlungsvermögen.
Müßte .....
Neulich erlebte ich, wie eine Nachbarin von „ihm“ nach einem Treff nach Hause gebracht wurde, nein ehrlich: zu Hause abgesetzt wurde. Das Auto stoppte nur kurz, die Tür ging auf, und die Beifahrerin rappelte sich so schnell sie konnte nach draußen, „ohne fremde Hilfe“. Es sah nicht gut aus!
„Rausgekippt“, sagte meine Nachbarin später selbst, „aber wofür treibe ich schließlich täglich Gymnastik?“ Ja, wofür ........?
Ingrid Hoffmann |