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Altern hat viele Gesichter
 
Horst Weckelmann aus Unna schreibt uns:
Wenn vom Alter die Rede ist, dann fallen vielen Menschen eher negative als positive Merkmale ein. ...
 

Die schwindende Körperkraft, der Verlust an Aktivität, geistiger Vitalität, Einsamkeit und häufig auch Krankheit prägen das Bild vom älteren Menschen. Obwohl Altern viele Facetten hat, werden Menschen nach dem kalendarischen Alter beurteilt, eingestuft, und ihnen wird eine Rolle zugewiesen. Wundern wir uns darüber?

Die Altersbilder, die durch Bücher, Beiträge in Zeitschriften und Zeitungen, in Fernsehsendungen, in Werbespots und in der Kinder- und Jugendliteratur vermittelt werden, entsprechen oft nicht der Wirklichkeit des Alterns.

Bei näherer Betrachtung ist festzustellen, dass der Alterungsprozess durch eine Vielzahl von Momenten geprägt ist, die dazu beitragen, dass sich die individuellen Unterschiede innerhalb der Gruppe der älteren Menschen mit zunehmenden Jahren eher vergrößern. Altern hat viele Gesichter, und ältere Menschen leben sehr unterschiedlich.

Jeder Mensch altert anders. Wer die Altersphase nutzt, entdeckt unvermutete Fähigkeiten und Kompetenzen. Der Mensch schöpft durch seine selbstgewählte Aktivität neue Kraft, genießt die Zeit, Muße und Entspannung. Er muss sich frei machen von Zwängen und Einengungen, damit er sein Leben und Alter kreativ gestalten kann. Wer die Erfahrung gemacht hat, auch im Alter zu lernen, wird neugierig und formt sein Leben in der Altersphase.

Wenn Altwerden im Sinne eines Reifeprozesses verstanden wird, dann haben wir keine Probleme. Wer aber möchte schon alt sein? Hüten wir uns vor den stereotypen Altersbildern, die häufig falsch sind. Der Vorruheständler mit etwas mehr als 50 Jahren lebt und handelt anders als der Hochbetagte mit über 80 Jahren. Es gibt in unserer Gesellschaft keine spezifischen Erwartungen an ältere Menschen, keine besonderen Rollen, die sie übernehmen müssen. Das frühere Ausscheiden aus dem Arbeitsleben hat zu einer erheblichen Ausweitung der Altersphase geführt. Die mittlere Dauer des Ruhestandes hat sich in den letzten 25 Jahren um zwei Drittel verlängert. Menschen verleben heute ein Viertel, manche sogar ein Drittel ihrer Lebenszeit ohne Erwerbstätigkeit. Die Mehrzahl der Menschen erlebt ihren Ruhestand. 1916, als die berufliche Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre herabgesetzt wurde, erreichten lediglich 4,4% der Bevölkerung diese Altersgrenze.

Dank einer besseren Gesundheit und der größeren sozialen Absicherung haben die Menschen heute mehr und länger etwas von ihrem Ruhestand. Dazu haben auch ganz sicher eine kürzere Arbeitszeit und ein verbesserter Arbeitsschutz beigetragen. Heute kommt es darauf an, wie alt man wird. Für die jungen Alten (55 – 70 Jahre) gibt es viele Möglichkeiten, sich im Anschluss an die Erwerbstätigkeit zu aktivieren. Wer schon während der Berufsphase ein Hobby hatte, dem wird es leicht fallen, mit dem neuen Lebensabschnitt fertig zu werden.

20% unserer Bevölkerung sind über 60 Jahre alt. Im Jahr 2010 ist jeder vierte Bundesbürger über 60 Jahre alt. Nach zuverlässigen Prognosen wird der Anteil im Jahr 2030 auf über 30% ansteigen. Die Fähigkeit, neue Lebensperspektiven zu entwickeln, muss allerdings schon im mittleren Alter erworben werden. Sie wird die Grundlage dafür sein, wie man sich mit der neuen Lebensphase auseinandersetzt und damit fertig wird.

 
 
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