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Essen auf Rädern feiert 40. Geburtstag
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Interview mit Bernhard Schweiger, Mitglied des Vorstands des Vereins „Essen auf Rädern“ und ehrenamtlicher Austräger. Gesendet im LORA Bürgerfunk Bonn.
 

Das Gespräch führt Manfred Bohr.
Die Moderation spricht Lucie M. Undil.

SeniorenRadio: Herr Schweiger, wir begrüßen Sie in unserem Studio in einer Doppelfunktion darf ich sagen – einmal als Mitglied des Vorstandes des Vereins „Essen auf Rädern“ und als ehrenamtlicher Austräger. Wie kommt man eigentlich zu dieser Doppelfunktion?

Bernhard Schweiger: Ja, meine Frau ist schon seit rund 17 Jahren bei dem Verein als ehrenamtliche Mitarbeiterin tätig. Als ich vor vier Jahren pensioniert wurde, bin ich gerne in dieses Geschäft mit eingestiegen, und es macht viel Spaß.

SeniorenRadio: Der Verein „Essen auf Rädern“ feiert in diesem Monat sein 40-jähriges Bestehen. Das ist doch ein bemerkenswertes Datum für eine solche Einrichtung. Wie kam es denn damals zu einer ganz anderen Zeit zu der Gründung des Vereins?

Bernhard Schweiger: Die ersten Schritte gehen schon in das Jahr 1961 zurück. Die Gründerin Anna Dörmer Möricke war nach England gereist und hat dort „meals on wheels“, also „Essen auf Rädern“, kennen gelernt. Dann hat sie gleich diesen Gedanken – obwohl sie schon 77 Jahre alt war – hier aufgegriffen und mit dem engsten Kreis ihrer Freundinnen aufgezogen. Zuerst gab es übrigens nur 20 Essensteilnehmer, die überwiegend vom Sozialamt benannt worden waren und die dann von diesen Damen betreut wurden.

SeniorenRadio: Sie hatten damals prominente Befürworter Ihrer Arbeit. Und die Arbeit beschränkte sich ja nicht ausschließlich auf „Essen auf Rädern“?

Bernhard Schweiger: Das ist völlig richtig. Die Schirmherrin war interessanterweise Frau Wilhelmine Lübke, die Gattin unseres Bundespräsidenten Lübke, die auch persönlich zu allen Mitgliederversammlungen erschien. Und der Verein ist verhältnismäßig schnell gewachsen. Das war auch der Grund, dass 1963 der Verein offiziell als eingetragener Verein gegründet wurde. Die Tätigkeit allerdings bezog sich nicht nur auf das Essen-Austragen, sondern es war eine Zeit, wo Altersarmut leider noch zum Alltag gehörte. Und viele alte Leute wohnten in ausgesprochen miserablen Verhältnissen. Es war auch so, dass sie kaum Heizmaterial hatten oder sich versorgen konnten. Und der Verein hat sich dieser Dinge sehr angenommen. So hat er zum Beispiel gebrauchte Möbel gesammelt und den Leuten gebracht.
Man hat mir erzählt, dass auf dem Markt oft die Holzlatten gesammelt und klein gemacht wurden, damit die alten Leute etwas zum Heizen hatten. Auch Firmen hatten Gutscheine ausgeliefert, damit sie zu Weihnachten wenigstens Bettwäsche bekamen. Oft fehlte es an den einfachsten Dingen, und der Verein hat sich auch von Anfang an dieser Fragen angenommen.

SeniorenRadio: Vier Jahrzehnte später läuft die Arbeit etwas anders ab. Wie sieht es denn heute aus bei Ihnen?

Bernhard Schweiger: In erster Linie steht natürlich heute die Essensvergabe im Vordergrund. Wir haben heute rund 200 Essen pro Tag, in neun Touren ist es aufgeteilt. Das Essen wird morgens ab 10 Uhr ausgefahren. Es kommt von einer Großküche, aber sehr warm. Wir haben Styropor-Kästchen und da wird das Essen warm gehalten. Es ist noch heiß, wenn wir es den Leuten bringen. Es sind immerhin über 5.500 Essen im Jahr, die ausgefahren werden. Das ist, glaube ich, eine ganz beachtliche Leistung. Besonders erfreulich ist, dass wir heute noch drei Teilnehmerinnen haben, die aus der Gründerzeit stammen und heute noch Essen ausfahren. Das ist Frau Liselotte Speckmann, die schon zum allerersten kleinen Gesprächskreis gehörte und seit dieser Zeit, seit 1961, und heute noch Essen ausfährt. Frau Hebersmehl fährt seit 40 Jahren und Frau Renate Kruppenberg seit 39 Jahren. Man muss sich das mal vorstellen – eine solche Treue!

SeniorenRadio: Wenn Sie den hilfebedürftigen Mitbürgern das Essen bringen, wie ist die Reaktion?

Bernhard Schweiger: Also, wir werden natürlich ausgesprochen freundlich aufgenommen. Das können Sie sich ja denken. Und es ist für viele alte Leute auch ein Anlass, ein paar Worte zu wechseln. Sie sind oft alleinstehend und freuen sich ausgesprochen, wenn wir kommen, und es bildet sich auch eine persönliche Bekanntschaft heraus. Man spürt es richtig, wie die Leute sich freuen, wenn wir kommen und auch noch ein Herz übrig haben, neben der offiziellen Tätigkeit. SeniorenRadio: Was kostet so ein Essen für den Betroffenen? Bernhard Schweiger: Bisher lag der Preis bei € 4,30, jetzt wurde er auf € 4,90 erhöht, weil wir höhere Kosten haben. Wenn aber Leute Sozialhilfe bekommen, dann gibt die Stadt einen Zuschuss.

SeniorenRadio: Fahren Sie auch am Wochenende herum?

Bernhard Schweiger: Auch am Wochenende. Auf Wunsch werden die Leute mit Essen versorgt. Da wird allerdings ein kleiner Zuschlag erhoben, weil das mit höheren Kosten verbunden ist.

SeniorenRadio: Sie arbeiten alle ehrenamtlich, wie ich mir das vorstellen kann.

Bernhard Schweiger: Es ist alles ehrenamtlich, was wir machen, vom Vorstand über alle Mitarbeiter. Auch die Fahrzeuge – mit Benzin und allem – werden von uns gestellt, kostenlos. Das ist Ehrensache.

Seniorenradio: Zu aller Ehrenamtlichkeit gehört natürlich auch ein Schuss Geld. Wie finanzieren Sie sich? Kriegen Sie Zuschüsse von der Stadt oder vom Land oder haben Sie Sponsoren, die Ihnen helfen?

Bernhard Schweiger: Die täglichen Essen, die müssen sich in etwa selber tragen. Aber wir haben auch mal eine sehr großzügige Spende bekommen, von deren Zinsen wir noch einiges einsetzen können, jährlich. Auch Mitgliedsbeiträge und Spenden haben wir. Das ermöglicht es uns, den alten Leuten neben dem Essen auch Veranstaltungen zu bieten. Wir haben jährlich meist etwa drei Veranstaltungen: ein Maitreffen mit Café und Vorführungen. Dann wird im Sommer immer eine Schiffstour gemacht. Es ist ein enormes Erlebnis für die Leute, wenn sie mal wieder das Siebengebirge sehen. Dann haben wir noch eine Advents- und Weihnachtsfeier, die auch immer sehr schön ausgestaltet ist.

SeniorenRadio: Das ist alles sehr erfreulich. Wir gratulieren Ihnen zu den vier Jahrzehnten ehrenamtlicher Arbeit und wünschen Ihnen für die nächsten Jahrzehnte viel Erfolg.

Bernhard Schweiger: Danke sehr.

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