nach Bad Godesberg fahren. Da wir beide zwar gut bei Stimme, jedoch schlecht zu Fuß waren - sie konnte schon wieder ohne Stock, wenn auch noch vorsichtig und langsam gehen, ich dagegen befand mich noch in einem akuten Schmerzschub, betroffen war bei uns beiden das recht Knie (wir sind beide schon über 70 Jahre alt), und so humpelte ich noch mühsam am Stock. Aus diesen Gründen schlug ich vor, mit der U-Bahn bis Rheinallee zu fahren und dort in einen Bus umzusteigen, der uns näher an unsere Wohnungen heranbringen und somit die noch beschwerliche Gehstrecke verkürzen könnte.
Edeltraut glaubte mir nicht, dass ich den für mich in Frage kommenden Fahrplan im Kopf hatte und die genaue Abfahrtszeit im Abend-Stunden-Takt der Buslinie wusste. Freudig überrascht sah sie diesen Bus heranfahren. Wir stiegen als erste ein und wurden von einer netten Busfahrerin gefragt: „Wo kommen Sie denn noch so spät her?“ Sie hatte es lächelnd und mit so viel Charme gefragt, dass wir nicht beleidigt sein konnten. Gern erzählten wir von unserem Singen, die Gesprächsthemen wechselten, es waren ja noch einige Minuten bis zur fahrplanmäßigen Abfahrtszeit. Da klopfte es ans Fenster. Die Busfahrerin öffnete ihr Seitenfenster und gab dem Frager nach einer ganz frühen Abfahrtzeit eines Busses an einer anderen Haltestelle nach Rücksprache mit der Zentrale die gewünschte Antwort. Oh, schon um 4 Uhr noch was - es schüttelte mich als Langschläferin. Wie kann man schon so früh mit dem Bus fahren wollen oder gar müssen!
Weiter ging es mit unserer kleinen Plauderei zu dritt; die restlichen Fahrgäste kamen erst auf den allerletzten Drücker angerannt. Die Busfahrerin schimpfte über die hier in Bonn häufig falsch parkenden Autofahrer. In den engen Straßen von Bad Godesberg, wenn auf beiden Seiten PKW rumstehen und auch mal einer quer, ja, das muss für Busfahrer und Busfahrerinnen ein Alptraum sein, oder wenn ein Radfahrer vor ihnen hertrampelt und nicht ausweichen kann, schlimmer noch, wenn der Müllwagen fast die ganze Breite der Straße einnimmt, dann hilft keine Wut, sondern nur Geduld. Unsere Fahrerin meinte, das falsche Parken sei allein hier in Bonn so häufig, denn in ihrer Heimatstadt gäbe es das nicht. Darauf konterte ich, dass ich am Vormittag just dieses Tages beinahe meinen Zug von Trier nach Bonn verpasst hätte, weil ein Kleinlaster mitten in einer Toreinfahrt stand und der PKW-Fahrer, der mich zum Bahnhof fahren sollte, dadurch blockiert war. Zum Glück wurde der Verursacher noch rechtzeitig gefunden. Er kam ganz gemächlich herbei, stieg seelenruhig ein und gab endlich die Ein- und Ausfahrt frei. Nein, nicht nur in Bonn wird rücksichtslos geparkt; dieses Übel ist auch in anderen Städten weit verbreitet.
Inzwischen schob sich unser Bus durch die dunklen Straßen und Sträßchen von Plittersdorf. Unser Gespräch war jetzt nicht mehr so flüssig, da die Aufmerksamkeit unserer netten Fahrerin hauptsächlich der Straße galt. Meine Freundin war bald am Ziel und stieg mit freundlichen Abschiedsworten, auch für die Fahrerin, aus. Kurz darauf bat ich darum, wenn irgend möglich, mich noch ein Stückchen weiter mitzunehmen hinter meine Haltestelle, um meinen schmerzhaften Fußweg nach Hause etwas abzukürzen. Da niemand sonst da, wo ich eigentlich hätte aussteigen müssen, weder ein- noch ausstieg, konnte ich noch ein Stück weiter mitfahren. Die nette Fahrerin öffnete die Tür zu meinem Zwischenausstieg. Mich bedankend, verabschiedeten wir uns fast freundschaftlich, sie winkte noch einmal und setzte dann ihren Fahrweg fort.
Also, es gibt sie doch noch; diese außergewöhnlich netten Busfahrerinnen und sicher auch Busfahrer! Solche, die nicht nur fahren und halten, sondern auch mal mit ihren Fahrgästen plaudern, was in den weniger frequentierten Abendstunden leicht möglich ist. Besonders nach diesem erfreulichen Erlebnis wünsche ich mir, dass diese Buslinie 616, wenn auch abends nur im Stundentakt, uns noch lange erhalten bleiben möge!
Anneliese Useldinger, Bonn
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Diese Geschichte
erhielt einen Sonderpreis
im Schreibwettbewerb 2002
„Erlebt in Bus und Bahn
unterwegs in Bonn“
der Stadtwerke Bonn
und des SeniorenMedienForum. | |