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Die Alten in der Werbung
alte-werbung.mp3 (780 kB)
 
Gesendet im LORA Bürgerfunk Bonn
Lange Zeit hatten Marketing, Werbung und Medien die Alten vernachlässigt, nicht wahrgenommen oder gar vergessen. Inzwischen hat sich dieses Bild verändert. ...
 
 
Immer mehr Branchen, von den Reiseveranstaltern angefangen bis zu den Autoproduzenten, haben die Senioren entdeckt. Dies hat seine guten Gründe: Der Anteil der Alten an der Bevölkerungspyramide nimmt ständig zu. In Deutschland sind inzwischen 20 Millionen Menschen über 60 Jahre alt und verfügen über ein geschätztes Vermögen von mehr als 390 Milliarden EURO.
 
Noch nie waren ältere Menschen so mobil wie heute - und sie sind es zunehmend mit dem eigene Auto. Wenn im Jahre 2050 ein Drittel der deutschen Bevölkerung älter als 60 Jahre ist, wird nach Vorraussagen von Verkehrsfachleuten der überwiegende Teil von ihnen dann im Besitz eines Führerscheines und eines eigenen Fahrzeuges sein. Das Prognos-Institut von Ferdinand Düdenhöffer in Leverkusen hat errechnet, dass der Anteil der Autofahrer von 60 Jahren und älter bis 2015 auf 34 Prozent steigt. Interessant in diesem Zusammenhang, dass bei den Jungen die Entwicklung der Studie zufolge genau umgekehrt verläuft.
 
Auf die Wünsche der älteren Fahrer gehen die Autohersteller bereits zunehmend ein, konstatiert die Gerologin Elisabeth Philipp-Metzen. Beispiel für technischer Hilfe sind die Parksensoren, die beim Einparken vor zu dichter Annäherung an ein Hindernis warnen. Diese Systeme sind besonders für ältere Menschen gedacht, die sich nicht mehr so gut umdrehen können.
 
Auch die Reisebranche hat die älteren Menschen mehr und mehr im Blick. Symptomatisch dafür die Überschrift in der Reisebeilage einer großen deutschen Zeitung. Zitat: „Die Tourismus-Branche ist auf dem Weg vom Seniorenteller zum 5-Sterne-Angebot.“ Die Alten gelten als „Wachstumsmotor“ bei den Reiseveranstaltern. Die Senioren wollen allerdings als dynamische Individualisten nach den eigenen Vorlieben bedient werden.
 
Diesen Trend haben die Reiseveranstalter längst erkannt. Zwei Zahlen mögen dies verdeutlichen: Vor 30 Jahren noch schliefen fast zwei Drittel der über 60-jährigen lieber zu Hause als im Hotelbett. Heute dagegen fahren zwei Drittel dieser Altersgruppe gerne weit weg. Nach wie vor nehmen viele Reiselustige im Rentenalter gern vorbereitete und betreute Urlaubsprogramme für Gruppen in Anspruch; vor allem Alleinstehende, die fast ein Drittel der Buchungen ordern.
 
Die frei verfügbare Zeit nutzen immer mehr Senioren, zum Beispiel für das Internet. Die Anbieter der Internet-Kurse sind zahlreich, von den Volkshochschulen bis hin zu karitativen Einrichtungen.
 
 
Auch Zeitungen und Zeitschriften kommen mehr und mehr den Bedürfnissen der älteren Generation mit Beiträgen, ganzen Serien und Beilagen entgegen. Dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten bei den Alten und Älteren die treuesten und ausdauerndsten Zuhörer und Zuschauer haben, kommt nicht von ungefähr. Die meisten Sender haben bereits feste Programmteile für Senioren.
 
Auch Hochschulen wollen und können von der Kraft der späten Jahre profitieren. In den USA ist das Lebensalter schon längst kein Grund für eine Pensionierung von Hochschullehrern mehr. Altersoffener sind inzwischen auch die entsprechenden Richtlinien der Europäischen Union. Einige deutsche Hochschulen sind bereits der Idee einer Senior-Professur näher getreten, um das Humankapital des Alters zu nutzen.
 
Die Werbewirtschaft hat inzwischen erkannt, dass die über 60jährigen heute am gesellschaftlichen Leben teilnehmen wollen, Seniorencafés und Deckchen häkeln weitgehend der Vergangenheit angehören. Ältere Menschen sind während der letzten Jahrzehnte insgesamt fitter geworden: körperlich, mental und sozial. Ein heute 65jähriger ist mit einem 60jährigen vor 25 Jahren vergleichbar. Auch ist ihr durchschnittliches Wissens- und Lernpotential größer, als allgemein angenommen wird.
 
Von wegen „altes Eisen“!
 
Autor und Sprecher: Manfred Bohr
 
alte-werbung.mp3 (780 kB)
 
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