dass sie eines Tages damit zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Medizin ging. Der konnte ihr zu einem durchaus befriedigenden Ergebnis verhelfen - allerdings nicht auf Kosten der Krankenkasse. Die kommt nur in wenigen Ausnahmefällen für ärztliche Leistungen dieser Art auf.
Die Schönheits-„Industrie“ boomt wie nie zuvor. Fachärztinnen und Ärzte der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie werden immer mehr in Anspruch genommen.
2002 haben sich 660.000 Deutsche ihre Knollennasen, faltigen Augenlider, Hängebrüste korrigieren oder ihre Aknenarben, Plisseefalten auf der Oberlippe, Tätowierungen entfernen lassen, mit Laser, Skalpell, Spritzen oder Kanüle. Und zwar quer durch alle Altersgruppen, beginnend mit den 19-20jährigen, wenn das Wachstum des Körpers und damit auch des Gesichts abgeschlossen ist, bis hin zu den Seniorinnen und Senioren. Die Terminkalender dieser Fachleute sind ständig überfüllt. Jeder fünfte Patient ist ein Mann, berichtet die Zeitschrift „medizin heute“. Männer lassen sich vorzugsweise die „Rettungsringe“ um Bauch und Hüfte entfernen, das Doppelkinn absaugen oder Hals und Kinn liften. Fettabsaugung ist auch eine Lösung für ein typisch weibliches Problem, berichtet „medizin heute“: die so genannten „Reiterhosen“ um die Oberschenkel, die sich weder abhungern noch wegtrainieren lassen. Fett absaugen steht nach einer Emnid-Umfrage bei 48 Prozent auch ganz oben auf der Wunschliste, gefolgt von Busen-Korrekturen bei Frauen, Nasen-Korrekturen bei Männern, Falten im Gesicht bei Frauen und Männern.
Wartezeiten muss man einplanen, und auch eine größere Geldausgabe. Für ein Facelifting ab 3.000 Euro, für eine Fettabsaugung von 1.500 bis 6.000 Euro. Übernehmen die Krankenkassen keinerlei Korrekturen des äußeren Erscheinungsbildes? Doch. Etwa bei abstehenden Ohren, aber nur bei Kindern bis zur Pubertät mit einem Muskel-Schädel-Winkel von mehr als 45 Grad. Die Ohren sollten möglichst vor Schulbeginn - zur Vermeidung von Hänseleien - operativ angelegt werden. Erwachsene müssen diese Korrektur selbst bezahlen.
Der Wiederaufbau einer Brust - wenn er gewünscht wird - gehört heute zum selbstverständlichen Therapiekonzept nach einer Brustkrebs-Operation und ist damit Kassenleistung. Sogar ein Brust-Sofortwiederaufbau, also Amputation und Rekonstruktion in einer operativen Sitzung, ist heute möglich. Brustvergrößerung und -verkleinerung oder Hebung und Straffung stehen nicht im Leistungskatalog der Krankenkassen. Es dauert übrigens längere Zeit, bis die Narben völlig abgeheilt sind und die Patientin sich wieder „oben ohne“ zeigen kann. Sie muss auch mit einer Minderung der Gefühlsempfindungen im Bereich der Brustwarzen rechnen, die sich aber nach vier bis sechs Monaten meist wieder einstellen.
Hautflecken werden bei bösartiger Entartung selbstverständlich auf Kassenkosten entfernt, nicht jedoch bei störenden Hauterhebungen und Pigmentierungen, zum Beispiel bei Altersflecken (die sich nach Meinung von Dermatologen gut entfernen lassen). Auch Nasenkorrekturen sind nur in Ausnahmen Kassenleistung, etwa entstellende Veränderungen durch Unfälle oder Tumore. Faltenbildung im Gesicht muss man auf eigene Kosten reduzieren lassen, zu den Ausnahmen kann eine Oberliderschlaffung mit Gesichtsfeld-Einschränkung gehören.
Die Anzahl der Fettabsaugungen mit Hilfe von Kanülen hat sich seit 1992 verdreifacht. Auch bei konsequenter Diät zeigt sich Fettgewebe oft hartnäckig. Man nimmt nicht an Körperteilen ab, um derentwillen man gefastet hat, etwa an den Oberschenkeln oder am Bauch. Das sind keine Krankheiten, ihre Korrektur muss also aus eigener Tasche bezahlt werden, wiederum mit Ausnahme von bestimmten krankhaften Entwicklungen.
Kein Eingriff ist ohne Risiko, und jeder Organismus reagiert anders darauf. Gerade die Fettabsaugungen sind Verfahren mit erhöhter Komplikationsrate. Bei einem weniger erfahrenen Arzt können Dellen und Löcher im Gewebe entstehen oder sogar innere Organe verletzt werden. Auch die Aussichten auf einen Erfolg sind unterschiedlich. Darüber wird jeder Patient, jede Patientin von Ärztin oder Arzt bei der Planung einer Operation gründlich informiert.
Gewarnt werden muss vor unsachgemäßer Durchführung eines Eingriffs, beispielsweise beim Piercing. Die Bundesärztekammer hat darauf hingewiesen, dass das Durchstechen empfindlichster Körperteile im Gesichtsbereich zu Infektionen, Nervenschädigungen, allergischen Reaktionen und Narbenbildung führen kann. Zahnärzte warnen dringend vor einem Piercing der Zunge. Auch Tätowierungen sind nicht problemlos. Jeder zehnte Deutsche trägt ein Tattoo, teilt das Deutsche Ärzteblatt mit. Allergische Hautreaktionen und Entzündungen können die unerwünschten Folgen sein. Eine Tattoo-Entfernung kann ebenfalls zu Narben, Pigmentstörungen der Haut und Entzündungen führen.
Rosmarie Hennigs |