 und sie hat zu jeder Zeit ihrer langen Geschichte die Besucher, Dichter, Künstler, Geschäftsleute begeistert.
„Welche Schönheit, mein liebes Kiew! Welche Schönheit, welche Klarheit, mein weißhaariger Greis! Wie eine Sonne unter den Planeten, wie ein Zar unter dem Volk, so ist Kiew unter den Städten ... Auf einem hohen Berg liegt es, durch grüne Gärten gesäumt, bekrönt von vergoldeten Kuppeln und Kreuzen der Kirchen, wie heilige Kronen. Unterhalb des Berges zieht sich in weiten Schleifen der lebendige Dnepr ... O mein Gott, welche Pracht!“ Das schrieb im vorigen Jahrhundert der Schriftsteller Grebinka. Reizvolle Anblicke bieten sich auch heute dem Besucher, wenn er auf die dicht bewaldeten Dnepr-Hänge schaut mit den goldenen Kuppeln der alten Klosteranlagen und Kirchen. „Die heilige, die ewige Stadt“ wurde sie von zahlreichen Chronisten genannt.
Wann und auf welche Weise ist Kiew entstanden? 559 wird sie erstmals schriftlich erwähnt. Archäologische Funde belegen, dass das Gebiet schon im 9. Jahrhundert besiedelt war. Eine wichtige Handelsstraße führte hier durch, an einer Furt konnte der Dnepr gut überquert und von der erhöht gelegenen Stadt kontrolliert werden.
882 soll Oleg, der von dem Wikingerfürsten Rurik abstammte, mit einem Heer von Warägern, also Wikingern, Slawen und Finnen nach Süden aufgebrochen sein. Er ließ sich in Kiew nieder und soll gesagt haben: „Kiew soll die Mutter der russischen Städte werden“. Sie nannten sich die Kiewer Rus. Das war die Wiege des Großreiches Russland.
Im 9.-12. Jahrhundert ist Kiew die Hauptstadt eines der größten und mächtigsten Staaten des damaligen Europa und erlebt seine Blütezeit. Imposante Kirchen und Paläste schmücken bald die Stadt. Kiewer Fürsten verschwägern sich mit führenden europäischen Dynastien. 1240 zerstören Mongolen, die sogenannte Goldene Horde, die Stadt und übernehmen für gut ein Jahrhundert die Herrschaft.
Obwohl zeitweilig zu Litauen gehörend, später zu Polen, dann zwischen Österreich und Russland aufgeteilt, bleibt Kiew immer ukrainisches Kultur- und Bildungszentrum. Das zeigt sich in der Entwicklung des Schrifttums, der Sprache, von Bildungseinrichtungen, Verlagen und Druckereien, in der Schaffung von nationalen Wissenschaften.
1991 wurde die Urkunde über die Unabhängigkeit der Ukraine unterzeichnet. Heute ist Kiew die Hauptstadt eines souveränen Staates.
Zum diesjährigen Geburtstag bekam die Stadt ein außergewöhnliches Geschenk. Die 25-jährige Musikerin Ruslana aus der Ukraine gewann mit ihrem Lied „Wild Dancers“ den Eurovision Song Wettbewerb und bewirkte damit, dass im Jahre 2005 diese Veranstaltung in Kiew stattfinden wird. Was für eine Feier erwartet den Besucher dann?
Nathalie Mulear / Irma Mews
Russische Textversion (PDF)
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